Eigenleistung
Balkon selbst abdichten: wann das reicht und wann nicht
In Eigenleistung machbar sind am Balkon die Pflege und die Beobachtung: Ablauf und Rinne freihalten, Bewuchs entfernen, die Fläche nach Regen ansehen, den Zustand dokumentieren. Die Abdichtung selbst ist etwas anderes — sie entscheidet sich nicht auf der Fläche, sondern an Wandanschluss, Türschwelle, Randabschluss und Durchdringungen, und diese Details bestimmen zugleich die Aufbauhöhe des ganzen Bauteils.
- Oberflächenschutz
- Eine Schicht, die eine Beton- oder Belagsoberfläche vor Bewitterung, Abrieb und Verschmutzung schützt. Ein Oberflächenschutz ist nicht zwangsläufig eine Abdichtung: Ob eine Schicht die wasserführende Ebene bilden darf, ergibt sich aus ihrer Einstufung im jeweiligen System.
- Das ist der Unterschied, an dem jede Eigenleistung hängt. Ein Produkt kann eine Oberfläche dauerhaft schützen und trotzdem keine Abdichtung sein — und umgekehrt hilft eine Abdichtung nichts, wenn sie an den Rändern nicht angeschlossen ist. Die Frage lautet deshalb nie „hält das Wasser ab“, sondern „welche Aufgabe hat diese Schicht im Aufbau“.
Was in Eigenleistung geht und was nicht
Die mittlere Angabe ist keine Empfehlung, sondern eine Einordnung: Sie sagt, wovon es abhängt.
Ablauf, Rinne und Speier freihalten
In Eigenleistung
Ja
Woran es hängt
Erreichbarkeit. Diese Arbeit gehört zur Wartung und verändert am Aufbau nichts
Laub, Moos und Bewuchs zwischen Platten entfernen
In Eigenleistung
Ja
Woran es hängt
Vorsicht bei Hochdruckreinigern: Sie können Fugen auswaschen und Beschichtungen verletzen
Fläche nach Regen beobachten und dokumentieren
In Eigenleistung
Ja
Woran es hängt
Nichts. Diese Vorarbeit macht jede spätere Beurteilung genauer
Einzelne Fuge im Belag erneuern
In Eigenleistung
Eingeschränkt
Woran es hängt
Ob der Aufbau darunter trocken ist. Eine dichte Fuge über feuchtem Aufbau schließt die Feuchte ein
Beschichtung auf die vorhandene Oberfläche auftragen
In Eigenleistung
Eingeschränkt
Woran es hängt
Ob die Schicht überhaupt eine Abdichtungsaufgabe hat und ob der Untergrund trocken, fest und geeignet ist
Wandanschluss, Türanschluss oder Randabschluss ausbilden
In Eigenleistung
Nein
Woran es hängt
Hier entscheidet sich die Dichtheit. Anschlusshöhen, Aufkantungen und Profile sind normativ geregelt
Abdichtung erneuern, Gefälle neu aufbauen
In Eigenleistung
Nein
Woran es hängt
Aufbauhöhe, Systemwahl und Anschlussdetails hängen zusammen und lassen sich nicht einzeln lösen
Beton abtragen, Bewehrung behandeln, Querschnitt aufbauen
In Eigenleistung
Nein
Woran es hängt
Tragwerk. Die Instandsetzung folgt einem eigenen Regelwerk mit eigener Ausführungs- und Nachweispflicht
Umwehrung setzen oder verankern
In Eigenleistung
Nein
Woran es hängt
Absturzsicherung und Durchdringung der Abdichtung in einem Bauteil
Fünf Dinge, die ohne Fachbetrieb sinnvoll sind
Diese Arbeiten kosten nichts, verschlechtern nichts und machen jede spätere Beurteilung genauer:
- Den Ablauf zweimal im Jahr freimachen — vor dem Herbstlaub und nach dem Winter.
- Blumenkästen, Matten und Roste anheben, darunter kehren und die Stelle ansehen.
- Nach einem Regen prüfen, ob Wasser steht, und wenn ja, wo genau.
- Fotos mit Datum sammeln: Fläche, Untersicht, Stirn, Wandanschluss, Türschwelle.
- Beim ersten Befund die Vermieterseite oder die Verwaltung informieren, statt zu warten.
Warum die Ränder über die Dichtheit entscheiden
Eine Fläche zu beschichten ist die einfachste Arbeit am ganzen Bauteil: Der Untergrund ist eben, zugänglich und groß. Genau deshalb ist sie nicht die Stelle, an der Wasser eintritt. Es tritt dort ein, wo die Fläche aufhört.
Am Wandanschluss muss die abdichtende Schicht am aufgehenden Bauteil hochgeführt und oben gesichert werden, sonst läuft Wasser dahinter. An der Türschwelle steht die geforderte Anschlusshöhe gegen den Wunsch nach einem flachen Übergang; wo die Höhe fehlt, braucht es eine zusätzliche Maßnahme. Am Randabschluss entscheidet eine definierte Tropfkante, ob Wasser abgeworfen wird oder an der Untersicht zurückläuft. Und jede Durchdringung — Ablauf, Geländerfuß, Rohr — ist eine Unterbrechung, die angeschlossen werden muss.
Diese vier Details lassen sich nicht mit einem Produkt lösen, sondern nur mit einem Aufbau, in dem Untergrund, Grundierung, Dichtbänder, Profile und Fläche zusammengehören. Eine Beschichtung, die auf der Fläche gut aussieht und an den Rändern ausläuft, ist keine Abdichtung.
Was Eigenleistung später kosten kann
Für selbst ausgeführte Arbeiten gibt es keinen Gewährleistungsanspruch gegen einen Betrieb. Weniger offensichtlich ist die Arbeit danach: Wer auf einem selbst hergestellten Untergrund weiterarbeiten soll, muss beurteilen, ob dieser Untergrund geeignet ist — und kann Bedenken anmelden oder die Leistung einschränken.
Dazu kommt der Rückbau. Eine Beschichtung, die entfernt werden muss, bevor ein Systemaufbau gesetzt werden kann, ist eine Position, die es ohne die Eigenleistung nicht gäbe. Je fester eine Schicht haftet, desto aufwendiger ist sie loszubekommen.
Und schließlich die Zeit: Eine Maßnahme an der Oberfläche kann einen Befund für eine Saison verdecken. Was in dieser Zeit im Aufbau oder in der Platte weiterläuft, wird dadurch nicht kleiner. Bei Bewehrungskorrosion ist der frühe Zeitpunkt der günstige — das gilt unabhängig davon, wer die Oberfläche gemacht hat.
Häufige Fragen
Ist eine Balkonbeschichtung aus dem Baumarkt eine Abdichtung?
Eine Beschichtung schützt eine Oberfläche, bildet aber nicht zwangsläufig die wasserführende Ebene eines Aufbaus. Ob eine Schicht diese Aufgabe übernehmen darf, ergibt sich aus ihrer Einstufung im jeweiligen System und daraus, dass Untergrund, Grundierung, Dichtbänder, Profile und Fläche zusammengehören. Einzelteile verschiedener Herkunft ergeben kein System.
