Verfahren im Vergleich
Balkonabdichtung: Verfahren, Aufbau und Beauftragung
Eine Balkonabdichtung ist die wasserführende Schicht zwischen Tragplatte und Belag. Für sie sind drei Verfahren gebräuchlich: Bahnen aus Bitumen oder Kunststoff, flüssig aufgebrachter Kunststoff, der nahtlos aushärtet, und die dünnschichtige Verbundabdichtung, die direkt unter einem Fliesenbelag verklebt wird. Welches Verfahren passt, entscheidet der Bestand: Aufbauhöhe, Anschlusssituation und die Frage, wie viel vom alten Aufbau herunterkommt.
Dicht wird ein Balkon dabei nicht in der Fläche, sondern an den Rändern. Wandanschluss, Türschwelle, Randabschluss und Ablauf sind die Stellen, an denen Wasser in die Konstruktion gelangt — und die Stellen, die ein Angebot benennen sollte.

- Balkonabdichtung
- Die zusammenhängende, wasserführende Schicht auf einem Balkon, die Niederschlagswasser von der Konstruktion fernhält und es über ein Gefälle zum Ablauf oder zur Tropfkante führt — einschließlich aller Anschlüsse an aufgehende Bauteile, an die Türschwelle, an den Rand und an Durchdringungen.
- Balkone, Loggien und Laubengänge sind im technischen Regelwerk gemeinsam mit Dächern geregelt; die Anforderungen an Abdichtungen dieser Flächen stehen in einem eigenen Teil der Normenreihe. Ein Belag ist dabei keine Abdichtung: Fliesen, Platten und die meisten Beschichtungen sind Nutz- oder Schutzschichten. Ob ein Aufbau zugleich abdichtet, hängt am eingesetzten System und gehört ausdrücklich ins Angebot.
Quelle: DIN 18531-5 — Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen, Teil 5 · Stand September 2026
Die drei Verfahren im Vergleich
Die Verfahren unterscheiden sich in Aufbauhöhe, Verarbeitung und darin, wie sie an Anschlüssen geführt werden. Keines ist grundsätzlich besser — sie passen auf verschiedene Bestände.
Bahnenabdichtung
Wie es aufgebaut ist
Bitumen- oder Kunststoffbahnen, verklebt oder lose verlegt, die Nähte verschweißt oder verschmolzen
Wo es passt
Aufbauten mit ausreichender Höhe, oft unter Platten auf Stelzlagern
Worauf zu achten ist
Nähte und Anschlüsse sind Handarbeit; an Ecken, Rohren und Geländerfüßen wird zugeschnitten
Flüssigkunststoff
Wie es aufgebaut ist
Flüssig aufgebracht, mit Vlies armiert, härtet nahtlos aus und bildet auch an Kanten eine geschlossene Schicht
Wo es passt
Verwinkelte Grundrisse, viele Durchdringungen, niedrige Anschlusshöhe an der Tür
Worauf zu achten ist
Verarbeitung ist an Temperatur, Untergrundfeuchte und Taupunkt gebunden; die Grenzen gibt der Systemhersteller vor
Verbundabdichtung unter Fliesen
Wie es aufgebaut ist
Dünnschichtige Abdichtung, direkt auf den Untergrund aufgebracht, der Fliesenbelag wird im Verbund darauf verklebt
Wo es passt
Geringe Aufbauhöhe, wenn ein Fliesenbelag gewünscht ist und der Untergrund tragfähig ist
Worauf zu achten ist
Untergrund, Dichtbänder an Ecken und Anschlüssen sowie der Ablauf müssen zum System gehören; Einzelteile verschiedener Herkunft sind kein System
Welches Verfahren angeboten wird, sollte im Angebot stehen — nicht als „Abdichtung nach Norm“, sondern mit Verfahren und Schichtaufbau.
Die vier Anschlüsse, an denen es undicht wird
Der Wandanschluss: Die Abdichtung muss am aufgehenden Bauteil hochgeführt und dort gesichert werden, damit Wasser nicht hinter sie läuft. Wie hoch, gibt das Regelwerk vor; sichtbar bleibt davon später nur der obere Abschluss unter Putz, Sockelprofil oder Blech.
Die Türschwelle: Hier stoßen zwei Anforderungen aufeinander — eine ausreichende Anschlusshöhe und ein möglichst schwellenarmer Übergang in den Wohnraum. Eine geringere Höhe ist nur mit zusätzlichen Maßnahmen zulässig, etwa einer Entwässerungsrinne unmittelbar vor der Tür. Wer den barrierearmen Übergang will, muss diese Maßnahme mitbestellen.
Der Randabschluss: An der Außenkante braucht die Fläche eine definierte Abtropfkante, damit Wasser abgeworfen wird und nicht an der Stirn und der Untersicht entlangläuft. Wasserläufer an der Untersicht sind ein Hinweis darauf, dass diese Kante fehlt oder unterlaufen wird.
Der Ablauf und die Durchdringungen: Jeder Ablauf, jedes Geländerfundament und jede Rohrdurchführung ist eine Unterbrechung der Fläche und muss an die Abdichtung angeschlossen werden. Deshalb ist es ein Unterschied, ob ein Geländer auf der Fläche steht oder an der Stirnseite befestigt ist.
Quelle: DIN 18531-5 — Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen, Teil 5 · Stand September 2026
Wie die Arbeiten ablaufen
Die Abdichtung ist ein Arbeitsgang von mehreren, und sie hängt von dem ab, was vorher passiert ist.
1. Alten Aufbau abtragen
Belag und alte Abdichtung kommen so weit herunter, wie es der Befund verlangt. Eine neue Abdichtung auf eine alte zu legen, verlagert das Problem nach unten: Feuchte, die im Aufbau eingeschlossen ist, kann nicht mehr austrocknen.
2. Untergrund herrichten
Der Untergrund muss fest, tragfähig und sauber sein. Lose Teile werden entfernt, Ausbrüche geschlossen, Kanten gebrochen oder ausgerundet — je nach System. Ist die Betonplatte selbst geschädigt, wird sie zuerst instand gesetzt.
3. Gefälle prüfen und herstellen
Wasser muss ablaufen können, und zwar von der Hauswand weg. Wo das vorhandene Gefälle das nicht leistet oder zur Wand hin läuft, wird es neu aufgebaut. Das verändert die Aufbauhöhe und damit den Anschluss an der Türschwelle.
4. Grundierung und Anschlüsse vorbereiten
Grundierung nach Systemvorgabe, dann die Anschlüsse: Innen- und Außenecken, Wandanschluss, Türschwelle, Randprofil, Ablauf und alle Durchdringungen. Dieser Schritt ist der aufwendigste und der, an dem sich Dauerhaftigkeit entscheidet.
5. Fläche abdichten
Bahnen verlegen und Nähte fügen, Flüssigkunststoff mit Vlies armiert auftragen oder die Verbundabdichtung in den vorgeschriebenen Lagen aufbringen. Schichtdicken und Trocknungszeiten gibt der Systemhersteller vor.
6. Prüfen und schließen
Vor dem Belag wird die fertige Abdichtung besichtigt und dokumentiert; bei Aufbauten, die es zulassen, kann die Fläche zusätzlich geflutet werden. Danach kommen Belag, Fugen und Geländer — und die Abdichtung ist nicht mehr zu sehen.
Woran sich zeigt, dass die Abdichtung am Ende ist
Diese Beobachtungen können Sie selbst machen. Sie sind ein Anlass für eine Beurteilung, kein Befund:
- Feuchte Stellen oder abplatzender Putz an der Hauswand unterhalb oder neben dem Balkon.
- Weiße Ausblühungen, Kalkfahnen oder Tropfsteinbildung an der Untersicht der Platte.
- Wasser, das nach Regen stehen bleibt, statt zum Ablauf oder über die Kante abzulaufen.
- Fliesen, die beim Abklopfen hohl klingen, oder Fugen, die sich auswaschen und nachsanden.
- Ein Randprofil, das sich abhebt, sowie Wasserläufer an der Stirnseite und an der Untersicht.
- Braune Rostfahnen oder Abplatzungen an Kante und Untersicht — dann sitzt der Schaden nicht mehr im Aufbau, sondern im Beton darunter.
Wenn der Schaden tiefer sitzt als die Abdichtung
Rostfahnen, Abplatzungen und freiliegender Bewehrungsstahl sind keine Abdichtungsfrage mehr. Sie zeigen, dass Wasser die Betonplatte erreicht hat und der Stahl darin korrodiert — und der wachsende Rost sprengt den Beton von innen ab.
In dieser Lage wird zuerst das Tragwerk instand gesetzt und erst danach abgedichtet. Eine Abdichtung über einer schadhaften Platte hält den Wasserzutritt auf, aber sie ersetzt keinen Korrosionsschutz und keinen Betonquerschnitt.
Wie diese Instandsetzung abläuft — Abtrag des losen Betons, Reinigung und Schutz der Bewehrung, Wiederaufbau des Profils —, steht auf der Seite zur Balkonplatte. Sie gehört fachlich in die Betoninstandsetzung und nicht in die Abdichtung.
Häufige Fragen
Wie wird ein Balkon abgedichtet?
Für die Abdichtung eines Balkons sind drei Verfahren gebräuchlich: Bahnen aus Bitumen oder Kunststoff, flüssig aufgebrachter und nahtlos aushärtender Kunststoff sowie die dünnschichtige Verbundabdichtung unter einem Fliesenbelag. In allen drei Fällen wird zuerst der Untergrund hergerichtet und das Gefälle geprüft, dann werden die Anschlüsse ausgebildet und zuletzt die Fläche geschlossen.
Welche Abdichtung ist für einen Balkon die richtige?
Die Wahl des Abdichtungssystems richtet sich nach dem Bestand: verfügbare Aufbauhöhe, Anschlusssituation an der Türschwelle, Zahl der Durchdringungen und der gewünschte Belag. Flüssigkunststoff kommt mit verwinkelten Grundrissen und vielen Anschlüssen zurecht, Bahnen brauchen mehr Aufbauhöhe, die Verbundabdichtung setzt einen tragfähigen Untergrund und einen Fliesenbelag voraus.
Kann man einen Balkon abdichten, ohne die Fliesen zu entfernen?
Eine Abdichtung über einem vorhandenen Belag ist nur dann sinnvoll, wenn der Aufbau darunter trocken und fest ist und die Aufbauhöhe den Anschluss an der Türschwelle noch zulässt. Steht Feuchte im Aufbau, wird sie durch die neue Schicht eingeschlossen und trocknet nicht mehr aus. Sicher beurteilen lässt sich das erst nach einer Öffnung des Aufbaus.
Wie lange hält eine Balkonabdichtung?
Die Lebensdauer einer Balkonabdichtung hängt an der Ausführung der Anschlüsse, an der Bewitterung und daran, ob Wasser dauerhaft ablaufen kann. Undichtigkeiten beginnen an Wandanschluss, Türschwelle, Randabschluss und Ablauf, nicht in der Fläche. Regelmäßig freigehaltene Abläufe und intakte Randprofile sind deshalb der wirksamste Beitrag zur Haltbarkeit.
Muss unter Fliesen auf dem Balkon eine Abdichtung liegen?
Ein Fliesenbelag ist keine Abdichtung: Fugen und Belag nehmen Wasser auf und leiten es weiter. Unter dem Belag braucht es deshalb eine eigene wasserführende Schicht — entweder eine Verbundabdichtung unmittelbar unter den Fliesen oder eine darunterliegende Abdichtungsebene mit eigenem Gefälle und eigener Entwässerung.
Was kostet eine Balkonabdichtung?
Der Preis einer Balkonabdichtung hängt an vier Größen: der Fläche, dem gewählten System, der Zahl und Schwierigkeit der Anschlüsse und daran, wie viel vom alten Aufbau zurückgebaut werden muss. Der Rückbau ist dabei die Position, die den Unterschied macht. Eine Einordnung mit Rechner steht auf der Kostenseite dieses Portals.
