Nachschlagewerk
Schadensbild-Atlas: Balkon und Beton
Dieser Atlas ordnet die Schadensbilder, die an Balkonen, Brüstungen und Betondecken auftreten: was zu sehen ist, welche Schicht dahinter betroffen ist und womit der Befund verwechselt wird. Er ist nach der Tiefe sortiert — von der Oberfläche über den Aufbau bis zum Tragwerk —, weil das die Reihenfolge ist, in der ein Schaden fortschreitet.
Gedacht ist er als Nachschlagewerk für Eigentümerinnen und Eigentümer, Verwaltungen und Beiräte, die einen Befund benennen müssen, bevor sie ihn beschreiben lassen können. Wer daraus zitiert, darf das gern tun; die Bezeichnungen sind so gewählt, dass ein Fachbetrieb sie ohne Rückfrage versteht.
- Schadensbild
- Die von außen wahrnehmbare Erscheinung eines Bauschadens — Riss, Abplatzung, Verfärbung, Ausblühung, Feuchtefahne, Verformung. Das Schadensbild ist die Wirkung; die Ursache liegt in der Regel in einer Schicht, die man nicht sieht.
- Diese Trennung ist der Grund, warum ein Atlas nützlich und zugleich begrenzt ist. Er hilft, den Befund richtig zu benennen — und genau darauf kommt es an, wenn man beschreiben will, was passiert. Welche Ursache dahintersteht, kann derselbe Befund bei zwei Bauteilen unterschiedlich haben; das entscheidet die Untersuchung am Objekt.
Oberfläche, Abdichtung und Entwässerung
Befunde, die auf der Fläche und an ihren Rändern sichtbar werden. Sie betreffen die Schichten über der Betonplatte.
Risse im Fliesen- oder Plattenbelag, einzelne lose Fliesen
Was fachlich dahintersteht
Der Belag hat Bewegungen des Untergrunds nicht aufgenommen oder den Verbund verloren. Wasser bekommt einen Weg unter die Oberfläche
Was daraus folgt
Der Aufbau unter dem Belag muss beurteilt werden. Eine einzelne ersetzte Fliese behebt den Befund, nicht die Ursache
Hohl klingende Stellen beim Abklopfen
Was fachlich dahintersteht
Verbundverlust zwischen Belag und Untergrund, meist flächig fortschreitend, bevor sich die erste Fliese löst
Was daraus folgt
Ein Vorbote, kein Schönheitsfehler. Die Ausdehnung lässt sich durch Abklopfen der ganzen Fläche eingrenzen
Offene, ausgewaschene oder fehlende Fugen, besonders an der Wandkehle
Was fachlich dahintersteht
Der schnellste Weg für Wasser in den Aufbau. Die Kehle zwischen Fläche und aufgehendem Bauteil ist die am stärksten belastete Stelle
Was daraus folgt
Vor jeder Kosmetik zu klären, ob die Abdichtung dahinter noch eine Aufkantung hat
Pfützen, die nach Regen stehen bleiben
Was fachlich dahintersteht
Fehlendes, zu geringes oder zur Wand hin gerichtetes Gefälle, oder ein Ablauf, der nicht mehr aufnimmt
Was daraus folgt
Stehendes Wasser verlängert die Zeit, in der jede Fehlstelle wirksam ist. Gefälle und Entwässerung gehören in die Sanierungsplanung
Feuchte Stellen und Ränder an der Unterseite der Platte
Was fachlich dahintersteht
Wasser durchläuft den Aufbau und tritt unten aus. Die dichte Ebene ist an mindestens einer Stelle überwunden
Was daraus folgt
Von oben ist die Stelle nicht sichtbar. Der Aufbau muss geöffnet oder die Abdichtung erneuert werden
Weiße Kalkfahnen oder Sinterspuren an Unterseite und Stirn
Was fachlich dahintersteht
Wasser wandert durch den Beton und löst dabei Kalk heraus; die Spur zeigt den Weg, den es nimmt
Was daraus folgt
Ein Hinweis auf länger anhaltende Durchfeuchtung, nicht auf ein einmaliges Ereignis
Fehlende oder beschädigte Tropfkante an der Vorderkante
Was fachlich dahintersteht
Wasser läuft an der Unterseite zurück statt abzutropfen und durchfeuchtet Stirn und Untersicht
Was daraus folgt
Ein kleines Detail mit großer Wirkung; gehört in jede Sanierung der Fläche
Zu geringe Aufkantung an der Balkontür, Schwelle auf Belagshöhe
Was fachlich dahintersteht
Die Abdichtung ist am Türanschluss nicht hoch genug geführt; Schlagregen und Schnee laufen ins Gebäude statt vom Bauteil
Was daraus folgt
Ein Anschlussdetail, das sich bei der Sanierung nur mit Aufbauhöhe lösen lässt — deshalb früh zu klären
Beton und Tragwerk
Befunde am Bauteil selbst. Sie gehören fachlich in die Betoninstandsetzung und nicht unter eine neue Beschichtung.
Abplatzungen an Stirn oder Unterkante, darunter grobes Korn sichtbar
Was fachlich dahintersteht
Die Betondeckung über der Bewehrung ist verloren. Häufig ist der Rost des Stahls die Ursache: Er nimmt mehr Raum ein als der Stahl und sprengt den Beton ab
Was daraus folgt
Der Bereich ist zu sichern; die Instandsetzung geht der Oberflächenarbeit voraus
Braune Rostfahnen auf der Betonoberfläche
Was fachlich dahintersteht
Korrodierende Bewehrung unter noch geschlossener Oberfläche. Das Wasser transportiert den Rost nach außen, bevor der Beton abplatzt
Was daraus folgt
Der sichtbare Vorbote der Abplatzung — der Zeitpunkt, zu dem eine Untersuchung am günstigsten ist
Freiliegender Bewehrungsstahl, teils mit Querschnittsverlust
Was fachlich dahintersteht
Der Stahl liegt ohne schützende Betondeckung frei und korrodiert ungebremst weiter
Was daraus folgt
Kein Fall für eine Beschichtung darüber. Es braucht Betonabtrag, Entrostung, Korrosionsschutz und Reprofilierung
Risse, die parallel zur Bewehrung verlaufen
Was fachlich dahintersteht
Ein typisches Bild bei beginnender Bewehrungskorrosion: Der Riss folgt dem Stahl, weil der Sprengdruck dort entsteht
Was daraus folgt
Von Setzungs- und Schwindrissen zu unterscheiden — die Richtung des Risses ist dabei das erste Merkmal
Risse im Bereich der Einspannung, wo die Platte aus der Wand tritt
Was fachlich dahintersteht
Die höchstbeanspruchte Zone einer auskragenden Platte. Ein Riss hier ist anders zu bewerten als ein Riss in der Fläche
Was daraus folgt
Gehört fachlich beurteilt, bevor an der Oberfläche gearbeitet wird
Lockerer Geländerpfosten, Rost am Fußpunkt, Ausbrüche um die Verankerung
Was fachlich dahintersteht
Wasser ist entlang der Befestigung in den Beton gelaufen. Verankerung und Beton sind gemeinsam betroffen
Was daraus folgt
Geländerbefestigung und Betoninstandsetzung sind eine Aufgabe, nicht zwei
Abplatzungen an einer Tiefgaragendecke, häufig entlang von Fahrspuren
Was fachlich dahintersteht
Neben Kohlendioxid wirken hier Chloride aus Tausalz, die über Fahrzeuge eingetragen werden und die Korrosion beschleunigen
Was daraus folgt
Bauwerksdiagnose vor der Instandsetzung; die Chloridbelastung bestimmt das Verfahren
Was gleich aussieht und etwas anderes ist
Weiße Ausblühungen und weißer Anstrich: Sinterspuren an der Untersicht sind Kalk, der aus dem Beton ausgetragen wurde, und deshalb ein Feuchtezeiger. Ein aufgehellter Bereich, der beim Betasten nichts hinterlässt, kann schlicht ein Anstrich sein. Der Unterschied entscheidet, ob es um Abdichtung oder um Kosmetik geht.
Schwindrisse und Korrosionsrisse: Netzartige feine Risse an der Oberfläche entstehen beim Austrocknen des Betons und laufen ungerichtet. Risse, die einer Linie folgen und parallel zueinander liegen, folgen der Bewehrung darunter. Die Richtung ist das erste Unterscheidungsmerkmal, das man ohne Werkzeug hat.
Algen und Feuchteschaden: Grünbelag an einer Nordseite bildet sich auch auf einem intakten Bauteil, wenn es lange feucht bleibt. Zusammen mit einer scharf begrenzten Feuchtefahne oder Sinterspuren wird daraus ein anderer Befund — einzeln ist er keiner.
Rostfahne und Rostspur von außen: Braune Läufer unter einem Geländerpfosten können aus dem Pfosten selbst kommen und nichts über die Bewehrung sagen. Rostfahnen, die aus der Fläche der Platte austreten, sagen etwas.
Wie ein Schadensbild brauchbar dokumentiert wird
Für eine Anfrage, eine Beschlussvorlage oder ein Protokoll gilt derselbe Satz Angaben:
- Zwei Aufnahmen je Stelle: eine Übersicht, die zeigt, wo am Bauteil der Befund sitzt, und eine Nahaufnahme.
- Ein Maßstab im Bild — ein Zollstock, notfalls eine Münze —, damit die Größe später einschätzbar ist.
- Die Unterseite der Platte nicht vergessen; dort steht oft mehr als auf der Fläche.
- Datum zu jeder Aufnahme, und bei fortschreitenden Befunden dieselbe Position nach einigen Monaten erneut aufnehmen.
- Eine kurze Bezeichnung des Befunds in Worten, nicht nur das Bild — Bildunterschriften überleben den Weiterversand, Bilder allein nicht.
- Bei mehreren Balkonen: eine Nummerierung nach Lage im Gebäude, damit Befund und Bauteil zusammenbleiben.
Häufige Fragen
Was bedeuten braune Rostfahnen am Balkonbeton?
Rostfahnen zeigen an, dass Bewehrungsstahl im Bauteil korrodiert und der Rost mit dem Wasser nach außen getragen wird. Sie treten auf, bevor der Beton abplatzt, und sind damit der frühere der beiden Befunde. Wie weit die Korrosion fortgeschritten ist, lässt sich an der Oberfläche nicht ablesen; das wird am Bauteil untersucht.
Sind weiße Ausblühungen an der Balkonunterseite gefährlich?
Weiße Kalkfahnen an der Unterseite zeigen, dass Wasser durch den Beton wandert und dabei Kalk austrägt. Sie sind ein Feuchtezeiger und damit ein Hinweis auf eine undichte oder fehlende Abdichtung — nicht selbst ein Schaden am Tragwerk. Ihr Wert liegt darin, dass sie den Weg des Wassers sichtbar machen.
Wie unterscheide ich Schwindrisse von Rissen durch Bewehrungskorrosion?
Schwindrisse verlaufen netzartig und ungerichtet und entstehen beim Austrocknen des Betons. Risse über korrodierender Bewehrung folgen dem Verlauf des Stahls und liegen deshalb in Linien parallel zueinander, oft begleitet von Rostspuren oder beginnenden Abplatzungen. Die Richtung ist das erste Merkmal, das sich ohne Werkzeug beurteilen lässt.
Darf ich Inhalte aus diesem Atlas übernehmen?
Die Übernahme der Bezeichnungen und Tabellen für Protokolle, Rundschreiben und Beiträge ist erwünscht, wenn Quelle und Stand-Datum genannt werden. Nicht übernommen werden sollte der Atlas als Beurteilung eines konkreten Bauteils: Er benennt Befunde, er bewertet keinen Einzelfall und ersetzt keine Bauwerksdiagnose.
